Gewalt an Schulen: Ohne Konsequenzen droht Zelle statt Zukunft
Disclaimer
Bei dem nachfolgenden Artikel handelt es sich um einen Meinungsbeitrag des jeweiligen Autors, der nicht zwingend die Position der Partei FOKUS widerspiegelt. Wir stehen für Diskussionsvielfalt und halten es deswegen für wichtig, hier auch anderen Meinungen den ihnen gebührenden Platz einzuräumen.
Wenn Schule zum Schauplatz von Gewalt wird
In letzter Zeit kommt es immer wieder zu Vorfällen von Gewalt unter Schülerinnen und Schülern.
Laut Bildungsministerium wurden allein im Schuljahr 2024/2025 insgesamt 312 Schülerinnen und Schüler von der Schule verwiesen, wobei Gewalttaten zu den häufigsten Gründen zählen. Dies zeigt einen deutlichen, mehrjährigen Aufwärtstrend in Disziplinar- und Gewaltvorfällen.
Lehrer fühlen sich im Stich gelassen und erleben eine wachsende Ohnmacht, weil Entscheidungen von Disziplinarräten immer häufiger aufgehoben werden. Im laufenden Schuljahr wurden 50 % der vor den Berufungsgremien angefochtenen Ausschlüsse revidiert. Es gibt also keine nachhaltigen Konsequenzen und dieselben Personen kehren nach kurzer Zeit unverändert zurück. So wird der Eindruck geschaffen, das Regeln zwar ausgesprochen werden, aber nicht wirklich durchgesetzt werden. Das untergräbt nicht nur die Autorität der Lehrkörper und der Schule, es schafft auch ein Unsicherheitsgefühl unter den Schülern.
Gleichzeitig wird viel Zeit in Prestige-Projekte wie ALPHA, Unisextoiletten und neue Lehrpläne investiert und diese erhalten viel Aufmerksamkeit. Symbolischen Maßnahmen werden mit viel Engagement vorangetrieben.
Doch zentrale Themen wie Gewaltprävention geraten ins Hintertreffen. Gewaltdelikte unter Jugendlichen sind zwar in manchen Bereichen rückläufig, jedoch nahmen bewaffnete Überfälle von Minderjährigen 2024 wieder zu – von 22,9 % auf 27,8 % aller entsprechenden Straftaten.
All das zerrt an den Nerven von Lehrkörpern und Schülern. Lehrkräften schwindet die Kraft.
Was früher eine Berufung für Lehrer war, fühlt sich heute für Menschen im pädagogischen Bereich nur noch wie ein Kampf an. Es gibt immer weniger Berufseinsteiger und diejenigen die noch da sind, stellen sich die Frage: „Wie lange halte ich das noch aus?“ Oder sie steigen aus dem Schuldienst aus, weil der persönliche oder idealistische Wert verloren gegangen ist.
Viele Schüler verlieren immer mehr die Hoffnung und die Orientierung. Ihre Frustration staut sich auf, was sich dann nicht selten in Form von Aggression gegenüber Mitschüler und Lehrer entlädt. Die Schulpflicht dann von 16 auf 18 Jahre zu erhöhen, kommt bestimmt allen zugute. Das wirkt bestimmt wie ein pädagogisches Wellnessprogramm und entspannt die Lage.
Wenn Pädagogik scheitert und nur noch Gitter übrigbleiben.
Die Realität bringt aber eine weitere bittere Erkenntnis mit sich.
Wenn dann, wie jüngst eine Tat mit einer Körperverletzung endet, sollte der Jugendliche eigentlich in die dafür vorgesehene Einrichtung verbracht werden.
Seit 2022 ist bekannt, dass die hierfür eigentlich vorgesehene Institution in Dreiborn überlastet ist. Und während Dreiborn dann auf seinen Schützling wartet, durfte dieser Bekanntschaft mit der Ästhetik des Strafvollzugs machen. Warum über pädagogische Konzepte gehen, wenn es doch Mauern und Gitter gibt. Ein Umbau der Institution in Dreiborn ist in Planung, aber erst 2027. Es ist auch eine geschlossene Einrichtung auf dem bestehenden Gelände geplant. Diese kann aber erst frühestens 2030 in Betrieb gehen.
Auch wenn dies nur eine kurzfristige Maßnahme ist, ist es doch für ein wohlhabendes Land wie Luxemburg beschämend und gefährlich.
Verschiedene Studien weisen darauf hin, welche Folge solche Interventionen haben könne. Jugendliche, die dann in das Umfeld des normalen Strafvollzuges kommen ohne pädagogische Betreuung haben ein größeres Rückfallrisiko. Internationale Forschung zeigt, dass freiheitsentziehende Maßnahmen ohne sozialpädagogische Begleitung Bildungswege massiv gefährden und langfristige psychische Schäden hinterlassen können.
Das System versagt – Punkt.
Ein zerfallendes Schulsystem lässt sich nicht mit Symbolpolitik und warmen Worten flicken. Es ist schon beinahe grotesk, dass wir über Kinder- und Jugendschutz reden, dabei aber durch inkonsequentes Handeln die Hoffnungen von Kindern, Jugendlichen und Lehrern demolieren.



