Die aktuelle Lage: Ein Land auf dem Weg in die soziale Spaltung
Luxemburg ist eines der reichsten Länder der Welt, doch für eine wachsende Zahl seiner Bürger wird das Leben hier unbezahlbar. Wir stehen nicht vor einer kurzfristigen „Krise“, sondern vor einem strukturellen Ungleichgewicht zwischen Einkommen, Bodenverfügbarkeit und Wohnkosten.
- Die Zahlen: Seit 2010 haben sich die Preise für Wohnimmobilien mehr als verdoppelt. Gleichzeitig stiegen die Einkommen deutlich langsamer. Besonders Bauland verteuerte sich über Jahre hinweg massiv.
- Die soziale Folge: Ein durchschnittlicher Haushalt gibt heute häufig über 40 % seines Nettoeinkommens für Wohnen aus. Als international anerkannte Richtlinie gilt jedoch: Wohnen ist dann bezahlbar, wenn es maximal 30 % des Nettoeinkommens beansprucht.
- Die Realität: Für viele Menschen – insbesondere junge Haushalte – ist sowohl Eigentum als auch eine stabile, bezahlbare Mietwohnung kaum noch erreichbar.
Historischer Rückblick: Wie wir hier gelandet sind
Die heutige Situation ist das Ergebnis langfristiger Entwicklungen:
- Wohnraum wurde zunehmend als Investitions- und Spekulationsobjekt behandelt.
- Die öffentliche Hand zog sich schrittweise zurück. Während andere europäische Städte einen erheblichen Anteil an öffentlichem Wohnraum aufgebaut haben, bleibt dieser Anteil in Luxemburg sehr gering.
- Politisch wurde häufig auf Nachfragestimulierung gesetzt (Subventionen, steuerliche Vorteile), ohne das Angebot ausreichend auszuweiten.
Gleichzeitig müssen auch strukturelle Herausforderungen anerkannt werden: begrenzte Flächen, steigende Baukosten, Fachkräftemangel und komplexe Genehmigungsverfahren. Diese Faktoren erschweren schnelle Lösungen, entbinden jedoch nicht von politischer Verantwortung.
Die Kernforderung: Das „Luxemburg-Versprechen 2040“
Die politische Verantwortung
Die großen Volksparteien (CSV, DP, LSAP) haben das Problem jahrelang moderiert, statt es zu lösen. Man setzte auf steuerliche Anreize für Investoren und kleine Subventionen für Käufer, was die Preise durch die erhöhte Nachfrage nur noch weiter in die Höhe trieb. Man hat dem freien Markt das Feld überlassen, wohlwissend, dass dieser bei begrenztem Boden
kaum funktionieren kann.
Wir fordern einen radikalen Kurswechsel. Das Recht auf Wohnen (Artikel 39 der Verfassung) darf kein bloßer Text auf Papier bleiben. Wir fordern eine gesetzlich verankerte Versorgungsgarantie.
Das Ziel
Bis 2040 muss sichergestellt werden, dass jeder in Luxemburg aufgewachsene Mensch Zugang zu bezahlbarem Wohnraum hat – unabhängig davon, ob zur Miete oder im Eigentum.
Definition von „bezahlbar“: Eine Wohnung gilt als bezahlbar, wenn die monatlichen Wohnkosten (Miete oder Kreditrate
inkl. Nebenkosten) 30 % des verfügbaren Nettoeinkommens eines Haushalts nicht überschreiten.
Wichtige Klarstellung
Die Garantie umfasst ausdrücklich:
- einen massiven Ausbau des bezahlbaren Mietwohnungsmarktes
- sowie realistische und sozial ausgewogene Wege ins Eigentum
Der Staat wird vom passiven Beobachter zum aktiven Garanten.
Die Strategie: Konkrete Umsetzung
- Messbare Zielvorgaben: Der Bedarf liegt bei rund 6.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr. Wird dieses Ziel durch den privaten Markt nicht erreicht, ist der Staat verpflichtet, die Differenz durch öffentlichen oder öffentlich geförderten Wohnungsbau auszugleichen.
- Priorität für Mietwohnraum: Ein erheblicher Teil der neuen Einheiten muss als dauerhaft preisgebundener Mietwohnraum entstehen. Ziel ist ein stabiler, nicht spekulativer Wohnungsbestand, der langfristig bezahlbar bleibt.
- Zugang zu Eigentum sichern: Ergänzend sollen Modelle wie Erbpacht, staatliche Beteiligungen oder Preisbindungen den Zugang zu Eigentum ermöglichen – ohne spekulative Preisentwicklung.
- Bodenpolitik mit Wirkung: Bauland ist ein knappes Gut. Unbebaute, zurückgehaltene Flächen müssen durch wirksame Instrumente (Abgaben, Aktivierungspflichten) mobilisiert werden.
- Schnellere Verfahren: Genehmigungsprozesse für bezahlbaren Wohnraum müssen klar priorisiert und deutlich beschleunigt werden.
- Gezielte Investitionen: Öffentliche Mittel sind stärker auf den Wohnungsbau auszurichten, insbesondere zur Stärkung bestehender öffentlicher Bauträger.
Fazit: Ein realistisches Versprechen an die nächste Generation
Die Herausforderungen sind groß: begrenzter Raum, steigende Kosten und wachsender Druck auf den Markt. Doch genau deshalb braucht es klare Prioritäten.
Das Luxemburg-Versprechen 2040 ist kein unrealistisches Ideal, sondern ein politischer Richtungswechsel: Wohnen wird wieder als das behandelt, was es ist – eine grundlegende Voraussetzung für gesellschaftliche Stabilität.
Luxemburg darf kein Land werden, in dem nur noch Vermögen über Lebensqualität entscheidet. Die Aufgabe an die Politik ist klar: bezahlbares Wohnen sichern – zur Miete und im Eigentum.





